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Jungpfadfinder aus dem Hannoverbezirk auf Floßtour in Schweden
Jup(f)is und Leiter stellen sich in der schwedischen Provinz Värmland den unerwarteten Herausforderungen der Natur

36 Jupis aus den Stämmen St. Bonifatius (Wunstorf), Arche Noah (Wedemark), Hl. Engel (Hannover-Kirchrode) und Maximilian Kolbe (Siedlung Hannover-Mühlenberg) brachen Anfang August zu einer 12-tägigen Abenteuerreise durch die schwedische Provinz Värmland auf. Gemeinsam mit dem 15-köpfigen Leitungsteam und dem Pfadfinderhund Queenie erreichten sie nach knapp 23 Stunden ihr erstes Etappenziel im värmländischen Gunnerud. Während ein Teil der Gruppe durch professionelle Floßbaumeister in die Floßbaukunst und das schwedische Jedermannsrecht eingewiesen wurde, fuhr der andere Teil der Gruppe mit 10 Kanus im Gepäck 50 km weiter in Richtung Norden. In der Nähe des Floßbauplatzes errichteten sie ihr Kanu-Camp am Ufer des Flusses "Klarälven".

Am nächsten Morgen wurde es ernst. Ausgerüstet mit Klappspaten, Wasserkanistern, Erste-Hilfe Kasten und einer Landkarte brach die Gruppe aus Gunnerud in den frühen Morgenstunden zum Floßbauplatz nach Osebol auf. Dort warteten bereits hunderte von Baumstämmen auf ihren Einsatz. Unter fachmännischer Aufsicht bauten die Jungpfadfinderinnen und Jungpfadfinder aus ca. 360 Baumstämmen vier Holzflöße. Dabei wurden die Baumstämme nach alter Holzfällertradition nur mit Seilen zusammengeschürt. Nach knapp 6 Stunden Bauzeit waren die ca. 3 Tonnen schweren Gefährte fertig.

In der Zwischenzeit traf auch die Kanugruppe aus Stöllet am Floßbauplatz ein. Gemeinsam begaben sich Floßfahrer und Kanuten auf ihre 57 km lange Abenteuerreise. Schnell erkannten die Floßfahrer, dass Floß fahren nichts für "Wasserstreichler" ist. Das Zusammentreffen von Mensch und Natur stellten die Abenteurer vor ungeahnte Herausforderungen. Zum Umfahren von Sandbänken und Felsbrocken war die geballte Kraft der ganzen Mannschaft erforderlich. Ausgerüstet mit vier Paddeln und zwei Holzstakeln, manövrierten jeweils fünf Jupis und zwei Leiter ihr schweres Gefährt über den Fluss. Ca 400m Strecke waren notwendig, um mit dem Holzfloß von einer Uferseite an die andere zu wechseln.

Unter diesen Umständen musste die Kanugruppe bereits. 1 Std. vor dem geplanten Ende der Tagesetappe vorausfahren, um einen geeigneten Lagerplatz zu finden und entsprechende Fangleinen für die Flöße auszubringen. Mit einem großen Kraftakt wurden die 4 Flöße allabendlich mit Seilen ans Ufer gezogen. Nicht selten führte dieses zu einem unfreiwilligen Vollbad im 16° C kalten Klarälven. Aber nicht nur die Floßbesatzungen wurden nass. Als Florian S. (auch der "Wasserstreichler" genannt) mal wieder über physikalische Gesetze philosophierte, trafen diese ihn und seinen Steuermann mit voller Härte. Bei ihrer Eskimorolle wurden zwar die Kanuten nass, das Gepäck blieb jedoch dank der wasserdichten Verpackung absolut trocken.

Die Nächte verbrachten die Abenteurer in ihren Zelten auf Sandbänken und windgeschützte Wiesen am Ufer des Flusses. Keine Dusche, kein WC, kein Trinkwasser aus der Leitung. Die fehlende Toilette ersetzte der gute alte Klappspaten im Wald. Zum Zähneputzen (wenn denn mal nötig) benutzten die Pfadfinder das Wasser des Klarälven. Am Abend traf man sich, so es denn trockenes Holz gab, am Lagerfeuer und ließ den Tag bei einem Becher "Plörbräu" (Fachbezeichnung für Zitronentee) und Gitarrenmusik ausklingen. Trotz dauerhaftem Regen war die Stimmung der Jupis nicht zu trüben. Selbst erfahrene Leiter waren in anbetracht der miserablen Wetterbedingungen von der guten Laune der 36 Mädchen und Jungen überrascht. Die hohe Motivation der Kinder war deutlich zu spüren und zeigte sich im unermüdlichen Einsatz für die Gemeinschaft.

Vier Tage lang ließen sich die Jungpfadfinderinnen und Jungpfadfinder auf dem Klarälven treiben, bis sie nach 57 km wieder in Gunnerud festmachten. Nachdem die Flöße demontiert waren, startete bereits das nächste Abenteuer. Ein Bus stand bereit, um die 51 Abenteurer in das 18 km entfernte VärmlandsGarden am Upplunden-See zu transportieren. Der Hof VärmlandsGarden liegt mitten im Herzen der naturschönen Provinz Värmland, 18 km nordöstlich von Hagfors. Umgeben von endlosen Wäldern und zahlreichen Gewässern bietet das Gelände einen perfekten Ausgangspunkt für spannende Erlebnisse in der weitläufigen Natur Schwedens. Hier sollte nun der ruhige Teil des Unternehmens "Schweden 2008" beginnen. Etwas erschöpft, aber immer noch gut gelaunt schlug die Gruppe ihr Lager in einem idyllischen Waldstück zwischen zwei Seen auf.

Am nächsten Tag war erstmal Ausschlafen angesagt. Spätes Frühstück, dann das Gelände erkunden und in aller Ruhe die notwendigen Lagerbauten errichten. So lautete der Plan. Neben der Jurte, welche als Versammlungszelt und Küche diente, wehte zwischen der deutschen und schwedischen Flagge das Banner der Georgspfadfinder. Davor das Lagerkreuz, an dem sich die Gruppe zu den Morgenrunden und zum Gebet versammelte. Das Lagerfeuer spendete wohltuende Wärme und trocknete so manch durchnässten Schuh.

Gekocht wurde in Ermangelung an ausreichend trockenem Brennmaterial auf einem Gaskocher in der Jurte. In beeindruckender Art und Weise demonstrierten die Jungpfadfinder aus der Wedemark ihre Kochkunst bei der Herstellung selbst gemachter Kässpätzle. Da der Spätzlehobel nicht auffindbar war, wurde der Teig kurzerhand durch eine Spaghettipresse gedrückt. Dieses Vorgehen stellte höchste Anforderungen an Mensch und Material. Begleitet wurde das etwas angespannt wirkende Küchenteam dabei durch Gitarrenmusik und den Gesang der restlichen 45 Abenteurer, die sich zur selben Zeit in der stockfinsteren Jurte vor dem prasselnden Regen schützten.

An den folgenden Tagen standen Chillen, Kanutouren zu entlegenen Inseln, Mountainbiking, Angeln, Wandern, Geländespiele oder Zeit im eigenen Stamm auf dem Programm. Jeder konnte sich nach seinen Interessen einen entsprechenden Workshop aussuchen. Zum Höhepunkt entwickelte sich die Vildmark-Olympiade. Dabei galt es die Disziplinen Axtwurf, Dart, Blasrohrschießen, Hufeisenwerfen und Bogenschießen zu bewältigen. Im ersten Teil der Olympiade konnten sich die Teilnehmer jeweils 20 Minuten auf die einzelnen Disziplinen vorbereiten. Nach einer kurzen Pause legten sich die Olympioniken dann mächtig ins Zeug. Am Ende der Olympiade erzielte Christian Block aus Wunstorf die meisten Punkte und errang den 1. Platz. Sieger des Tages waren aber auch die Eigentümer des Adventure-Camps, Carin und Edwin Klomp, die mit ihrer freundlichen Art und großer Hilfsbereitschaft die Gruppe während des gesamten Aufenthaltes in VärmlandsGarden unterstützt haben.

Eine Abrissparty am Lagerfeuer setzte am letzten Abend den Schlusspunkt unter das Abenteuer. Lieder wie "Country Road" und "über den Wolken" hallten mit Gitarrenklang durch die Stille der Wälder am Upplunden-See. Den Höhepunkt des Abends bildete ein kleines Showprogramm, bei dem die Jupis Sketche vorführten und lustige Spiele veranstalteten.

Unbeschadet und mit vielen neuen Erfahrungen kehrten alle Teilnehmer am 14.08.08 in ihre Heimatorte zurück. Das Unternehmen "Schweden 2008" stellte Jupis und Leiter vor ungeahnte Herausforderungen. Bemerkenswert ist, dass die gute Stimmung bei den Kindern und Leitern trotz der extremen Rahmenbedingungen (Regen, Regen, Regen) zu keinem Zeitpunkt zu kippen drohte. Obwohl die Teilnehmer teilweise bis an ihre Grenzen belastet waren, setzten sie sich immer und zu jeder Zeit für die Gemeinschaft voll und ganz ein.

Fazit: Jungpfadfinder im Hannoverbezirk - da weiß man, was man hat

Wolfgang Soot
Referent der Jungpfadfinderstufe
Hannoverbezirk