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Elbehochwasser 2002

Wir Jupis haben 2002 nach dem Elbehochwasser Geld für die Flutopfer gesammelt. Darüber erschien folgender Bericht in der Zeitung:

Wunstorfer Georgspfadfinder überbringen Flutopfern 4360,- Euro

Jungpfadfinder und Wölflinge der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg aus Wunstorf haben in der Zeit vom 20.08.02 bis 31.08.02 vor den Lebensmittelmärkten Marktkauf und Neukauf Schuhe zugunsten der Hochwasseropfer geputzt. Die von den Kindern selbst initiierte Spendenaktion beeindruckte nicht nur viele Spender, sondern auch den Präsidenten des Niedersächsischen Landtages Prof. Rolf Wernstedt. Er empfing die achtköpfige Jungpfadfindergruppe am 29.08.02 und drückte ihnen seinen besonderen Respekt aus. Am 06.09.02 fuhren die Jungpfadfinder schließlich in die Orte Gübs und Lostau bei Magdeburg und überbrachten die gesammelten Sach- und Geldspenden an drei betroffene Familien. Bei ihrer Ankunft in Lostau wurden die Kinder vom Bürgermeister persönlich empfangen und auf dem Weg zu den Familien begleitet. Tief beeindruckt zeigten sich die Pfadfinder von den nicht zu verbergenden Gefühlsregungen und der entgegengebrachten Dankbarkeit der Betroffenen. So war zum Beispiel die Mutter einer Familie, deren Hochwasserschaden in Höhe von 44.000,-Euro von keiner Versicherung bezahlt wird, zutiefst über die Hilfsbereitschaft der Menschen im Norden gerührt. “Eure großzügige Spende hat uns in unserer schweren Situation sehr geholfen” schreibt sie in einem Dankschreiben an die Pfadfinder. Da durch die unbürokratische übergabe der Spendengelder an die Flutopfer keine Unkosten entstanden sind, kam der Spendenbetrag in Höhe von 4360,- Euro den Betroffenen vollständig zu Gute. Die Pfadfinder des Stammes St. Bonifatius Wunstorf geben den Dank der betroffenen Menschen im Katastrophengebiet an alle weiter, die sie bei ihrer Spendenaktion unterstützt haben.

Unser Herbstlager haben wir dann in Sachsen-Anhalt mit der Renovierung eines von der Flut verwüsteten Hauses und des zugehörigen Gartens verbracht. Es war ein tolles Gefühl, zu sehen, wie gut unsere guten Taten bei den Betroffenen ankamen. Auch über diese Aktion erschien ein Bericht in der Zeitung:

Wunstorfer Georgspfadfinder beseitigen Schäden der Flutkatastrophe

Acht Jungpfadfinder (auch Jupis genannt) des Pfadfinderstammes St. Bonifatius Wunstorf (DPSG) beteiligten sich in den Herbstferien aktiv an der Beseitigung von Flutschäden. “Wenn wir da helfen können und auch erwünscht sind, dann fahren wir da hin”, so lautete kurz vor den Ferien der Beschluß in einer Truppstunde.

Am 10.10.02 reiste die Gruppe nach Magdeburg, wo sie auf dem Gelände der katholischen St. Petri Gemeinde ihr Zeltlager aufschlug. Noch am selben Abend starteten die Jupis (11J. bis 14 J.) zu einer Erkundungstour in das ca. 10 Km entfernt liegende Gübs. Hier traf sich der Jungpfadfindertrupp mit einer Familie, welche durch die Flutkatastrophe im vergangenen Sommer schwer getroffen wurde. Die Gruppe lernte die Familie bereits im September kennen. Damals überbrachten die Pfadfinder ihre gesammelten Geld- und Sachspenden an betroffene Familien in Gübs und Umgebung. Das Haus der vierköpfigen Familie stand während der Flutkatastrophe ca. 1.5 m unter Wasser. Ein Großteil der Einrichtung, die Heizung und Teile der elektrischen Anlage wurden dabei völlig zerstört. Im Bereich der Außenanlagen richtete das Wasser ebenfalls erheblichen Schaden an. Auch acht Wochen nach der Flutkatastrophe war das Ausmaß der Schäden in dem kleinen Orte noch deutlich zu erkennen. Das Haus der besuchten Familie, welches seit der Flut nur noch im Obergeschoß bewohnbar ist, glich einer großen Baustelle. Putz und Fußböden waren entfernt, der Keller stand noch teilweise unter Wasser. Nach dem die Jupis Art und Umfang ihrer Mithilfe mit der Familie besprochen hatte, fuhren sie an den nahegelegenen Elbdeich. Hier suchten sie die Stelle, an der es in der tragischen Augustnacht zum Deichbruch kam. Die Gruppe fand einen Ort der Verwüstung, an dem das Wasser ein riesiges Loch in den Deich gerissen hatte. Beeindruckt von den Bildern des Tages, kehrten die Gruppe in ihr Lager nach Magdeburg zurück.

Am nächsten Morgen begann der Tag mit einer Morgenrunde und einem ausgiebigen Frühstück. Danach brachen die Jupis, ausgerüstet mit Schaufeln, Spaten, Arbeitshandschuhen und einer Werkzeugkiste, erneut nach Gübs auf, um dort, aufgeteilt in drei Gruppen, ihren “Arbeitseinsatz” zu starten. Ein Teile des Gartens wurde umgegraben und der Gartenzaun erhielt einen neuen Anstrich. Die Holzverkleidung im Treppenaufgang des Hauses wurde abgerissen und in einem bereitgestellten Container entsorgt. Bei allen Arbeiten stellten die Jungpfadfinder ihr fachmännisches Können voll und ganz unter Beweis. Eine besondere Herausforderung ergab sich dabei für die Malergruppe. Unter größter Anstrengung konzentrierten sich die Gruppenmitglieder auf den Umgang mit Farbe und Pinsel. Auftretende Probleme wie z.B. die Frage: “Wie bekomme ich die Farbe so an den Zaun, dass nicht die Hälfte davon auf der Kleidung des Nebenmannes landet?” wurden dabei weitgehend gelöst.

Nach dem die letzten Arbeiten beendet waren, berichtete die Familie bei einem Stück Kuchen und einem Becher Saft über die Ereignisse in der Flutnacht sowie in den Tagen danach. Die Pfadfinder hörten aufmerksam zu. Bei dem Bericht über den Ablauf der Evakuierung zeigte sich in den Gesichtern der Kinder eine tiefe Betroffenheit. Gübs wurde ohne Vorwarnung evakuiert und niemand hatte mehr Zeit sein Hab und Gut zu retten. “Um 23.00 Uhr ging der Fliegeralarm (Sirenenalarm) und als wir aus dem Fenster sahen, stand das Wasser schon vor der Haustür”, so die Schilderung der Familie. Als besonders ungerecht empfanden die Pfadfinder, dass finanzielle Mittel für die Flutopfer in Gübs bisher lediglich aus privaten Quellen flossen. Für die sogenannte “unbürokratische Soforthilfe” des Bundes und der Länder erhielt die betroffene Familie erst jetzt (Anfang Okt.) ein Antragsformular in mehrfacher Ausfertigung.

Am Nachmittag war es für die Jupis dann an der Zeit “Gut Pfad” zu sagen. Während der überaus herzlichen Verabschiedung wurde die Gruppe erneut zu einem Zeltlager eingeladen. Diesmal sollte es jedoch im Sommer sein und dann nicht zum Arbeiten, sondern zum Grillen. Die Jungpfadfinder bedankten sich und kehrten nach Magdeburg zurück. Dort verbrachten sie eine weiter (kalte) Nacht in ihrem Zelt. Vorher stand jedoch noch die Zubereitung des Nachtmahles auf dem Programm. Gekocht wurde: “Ravioli und Gulaschsuppe aus selbst geöffneten Dosen”.