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  Die Dinosaurier wer´n immer trauriger:  
Dinolager der Wölflinge in Winzlar

Dass Warten sich auszahlen kann, erlebten die Wölflinge auf ihrem um mehrere Wochen verspäteten Pfingstlager vom 4.-6. Juni 2010: war das Wetter Pfingsten noch durchwachsen und kühl, erwischten sie das erste hochsommerliche Wochenende des Jahres mit Sonne von früh bis spät. Die Kehrseite der Medaille war freilich, dass das Lager rund ums Lagerfeuer aus blankem feinem Staub bestand und schwitzende Pfadfinder hierdurch leicht von einer natürlichen Panade überzogen werden. Doch davon später mehr.

Schulbedingt wurde Freitagnachmittag in zwei Gruppen aufgebrochen. Die jüngeren starteten zuerst, hatten aber schon nach 2 m noch vor dem Kindergarten schon die erste Panne: eine um den Zahnkranz gewickelte Befestigungsschnur einer Satteltasche. Danach ging es zum Glück problemloser durch das Hohe Holz nach Steinhude und weiter zum Hagenburger Kanal nach Winzlar. Unterwegs gab es mehrere Haltepunkte, an denen Nicki einige Spiele vorbereitete hatte – und am Steg am Hagenburger Kanal ließen die Wölflinge auch ihre Füße im Meerwasser baumeln. Nach 2 ½ Stunden erreichten sie als erste Gruppe den Lagerplatz auf einer Wiese des Hofes Hesterberg am Rande des Meerbruches gleich am Ortseingang von Winzlar. Alle, auch die jüngsten, hatten tapfer durchgehalten. Probleme hatten vor allem jene, die von ihren Eltern mit Hightech-Rädern ins Rennen geschickt worden waren, die mehr Gänge hatten, als alle Leiterfahrräder zusammen, aber von den Kindern kaum beherrscht werden konnten.

Auf dem Lagerplatz angekommen gab es gleich eine positive Überraschung, denn “Heinzelmann” Stephan hatte nicht nur mit anderen Eltern das Material nach Winzlar gefahren, sondern war gerade dabei, die letzten Zelte aufzubauen. Später kamen auch die älteren Wölflinge dazu, die auf einer alternativen südlicheren Route gefahren waren. Leider kamen auch die sehr aufdringlichen Hofhunde Rolf und Leni dazu, wobei letztere nicht nur Felix’ auf eigenes Risiko mitgebrachtes Privatzelt sondern auch Nico zwickte, was ihr zwei Tage Zwinger einbrachte.

Schnell war alles eingerichtet, ein Feuer angezündet, Plörrbräu und ein Abendbuffet zubereitet, dann konnte auch schon am Lagerfeuer gekokelt werden. Passend zum Lagerthema wurde auch das Dinolied von den armen Sauriern gesungen, die nicht in Noahs Arche passen und daher ausgestorben sind. Während die Strophen bis zum Ende des Lagers konsequent sehr vielstimmig gesungen wurden, klappte zumindest der Refrain zumindest gegen Lager-Ende schon ganz gut. Auf die per Handy abgespielte Begleitungsmusik des Originalliedes musste leider verzichtet werden, weil das Handy zu Hause vergessen worden war. (Eine Gitarre wäre hier sicher auffälliger und unübersehbarer gewesen…)

Als es schließlich dunkel und kühler wurde, kamen auch noch die verschiedensten Grillspieße zum Einsatz, um Marshmallows zu grillen, ohne sie zu verbrennen. Von der voll kompostierbaren Schaschlikspießvariante mit Eichenholzgriff bis zum ausziehbaren Teleskopstiel war hier alles vertreten. Erst gegen Mitternacht verkrochen sich die Wölflinge in die Zelte. Einige schliefen sofort ein, einige machten dort noch lange Budenzauber. Leben in Freiheit also. Für einige war es die erste Nacht überhaupt im Zelt, noch dazu unter einem tollen Sternenhimmel und mit dem Gequake mindestens drei verschiedener Froscharten im Meerbruch.

Am nächsten Morgen ging früh die Sonne auf und das Vogelkonzert und die Party in einigen Zelten begann − letzteres sehr zum Leidwesen der Schlafbedürftigen in den Nachbarzelten. Alles war kühl und feucht, doch die Sonne trocknete alles schnell. Wenn man allerdings durch das nasse Gras läuft und sich dann in den Staub rund ums Lagerfeuer kniet, weil das Benutzen der Bierzeltbänke ja uncool und dem Kokeln hinderlich ist, nehmen Schuhe schnell ein Aussehen an, das sie kaum noch von einem Maulwurfshügel unterscheiden lässt. Nach dem Frühstück brachen alle mit den Rädern zum Dinopark nach Winzlar auf − doch schon 10 m vom Hof entfern war erst einmal Schluss, weil Lena nach einem Sturz verarztet werden musste. Überhaupt hat es selten ein Lager gegeben, bei dem so viele Pflaster und − als diese auf der verschwitzten Haut gar nicht mehr hielten − Bandagen verteilt wurden. Teilweise bildeten sich bei Krankenschwester Michaela sogar richtige Schlangen wartender Patienten. Auf der Weiterfahrt durch eine schöne Landschaft stellte sich heraus, dass es zunächst gemächlich, dann immer steiler bergan ging. Das letzte Stück von Bad Rehburg nach Münchehagen musste schließlich komplett geschoben werden. So freuten sich alle umso mehr, endlich am Ziel zu sein.

Rucksäcke, Helme, Fressalien und Getränke wurden in zwei überladene Dino-Handkarren gepackt und dann ging es staunend über alle die vielen Tiermodelle durch hunderte Millionen Jahre Evolutionsgeschichte. Nicht zu übersehen war, dass die Viecher immer größer wurden, so dass beim Gruppenfoto mit dem 42 m langen Seismosaurus von letzterem gerade einmal Beine und Bauch mit auf das Bild passten. Beeindruckt von den Giganten ging es in die Halle mit den versteinerten Saurierspuren. Daniel zeigte sich so fasziniert, dass er den schweren Handwagen am in halber Höhe befindlichen Hallenausgang vorbei den Berg hinauf zog und ihn – auf seinen Irrtum hingewiesen, wieder die ganze Halle am Ausgang vorbei bis nach unten zog, so dass er ihn noch einmal halb hinauf ziehen musste. Im weiteren Verlauf des Rundweges starben die Saurier aus und machten Platz beispielsweise für Mammuts, an deren Stoßzähnen man prima baumeln kann oder für Neandertaler. Da sie aus Kunststoff sind und sich nicht beschweren, kann man ihnen auch prima in den Körperöffnungen am Kopf popeln. Wenn man dies wie Finn an einem so heißen Tag macht, kann es allerdings passieren, dass man mit dem Finger in einem aufgeweichten Kaugummi stecken bleibt, das ein vorheriger Besucher dort hineingesteckt hat. Da noch Geld in der Lagerkasse war, wurde dieses zur Freude aller Schwitzenden in Eis angelegt. Danach gab es noch Freizeit, die die meisten nutzen, um im Sandkasten nach fossilen Haifischzähnen und Halbedelsteinen zu sieben.

Einige Jungs dagegen schauten sich auch die allerletzten Dinos an und nahmen dabei etliche Ulkbilder auf, wie sie von ihnen zertrampelt oder aufgefressen werden. Als schließlich auch Lenas und Allegras Tasche wieder gefunden worden waren, ging es zum Ausgang, wo dann, als Isabells Mütze wieder gefunden worden war, Nico verschollen war. Endlich wiedervereint, ging es bergab im Sausetempo und der halben Fahrtzeit zum Lagerplatz zurück. Dort wurde erst einmal eine saftige Wassermelone geschlachtet, die man besser nicht wie einige Mädchen in seinem Zelt und dort schon gar nicht ohne Teller darunter verzehren sollte. Nach weiteren Stunden am Lagerfeuer war so mancher Wölfling sowohl, was die Farbe seiner Kleidung als seine Hautfarbe anging, kaum noch von einem Neandertaler zu unterscheiden. Da sich einige mit ihren Staub panierten Händen auch durchs Gesicht gewischt hatten, sah es wie eine richtige Kriegsbemalung aus. Diese wurde während des Abendessens noch perfektioniert, denn es kamen noch rote Farbtupfer von der Tomatensauce des abendlichen Nudelgerichtes hinzu. Wie man Zwietracht und handfesten Streit stiften kann, erlebten die Lagerteilnehmer sehr anschaulich am Beispiel zweier Geschwister, die mit exakt dem gleichen, nicht gekennzeichneten Geschirr ins Lager geschickt worden waren war und sich bei jeder Mahlzeit gegenseitig beschuldigten, der andere hätte ihnen den Teller etc. geklaut wenn sie ihr eigenes nicht fanden. Und sie fanden sehr viel nicht − doch nicht nur sie: Fundbürobetreiberin Gaby konnte sich täglich über einen großen Kundenzulauf freuen, wobei sie einige hier nicht näher genannte Wölflinge zu ihren ausgesprochenen Stammkunden zählen konnte. Da ihre Kunden die Fundstücke auslösen mussten, bekam sie anfänglich viele Süßigkeiten als Lösegeld, seit dem Versiegen der Süßigkeitenvorräte am zweiten Tag dann eher Blumen und Geschirr-Abtrockne-Gutscheine.

Dass abends noch Stockbrot gemacht werden konnte, war Darleen und Isabell zu verdanken: im Rahmen ihrer Mutprobe gelang es ihnen, alle von den Steinhuder-Meer-Piraten in einen nahegelegenen Wald entführte Stockbrotstöcke wieder zurückzuholen. Nachdem sich alle noch einmal Gedanken darüber gemacht hatten, was es bedeutet, ein Pfadfinder zu sein, legten die beiden ihr Pfadfinderversprechen ab und wurden in die Stufe und den Stamm aufgenommen und tragen daher seither auch ein orangefarbenes Halstuch. Schließlich ging wieder ein erlebnisreicher, aber auch anstrengender Tag zu Ende. Letzteres zeigte sich in der frühen Verabschiedung einiger und der Tatsache, dass andere nach nur wenigen Minuten Budenzauber mit brennender Taschenlampe einschliefen.

Der nächste Morgen begann erschreckend ruhig – es gab keine Frühaufsteher mehr, die ihre Nachbarn aus dem Schlaf krakeelten. Oh Schreck: um 10:30 sollten die Eltern kommen, und es musste noch gefrühstückt und das Lager abgebaut werden – und dass alles diesmal ohne Heinzelmännchen. Als alles abgebaut war, brachten sie Frau Hesterberg noch ein Geschenk als Dankeschön vorbei und sangen ihr das schräge Saurierlied vor. Da Pfadfinder die Welt bzw. den Lagerplatz stets besser verlassen, als die sie vorgefunden haben, wurde zum Schluss eine Kette gebildet und die Wiese nach Lollystielen, Bonbonpapier etc. abgesucht. Das Ergebnis fiel sehr mager aus: da auf der Wiese nur Pfadfinder zelten, wurde überhaupt kein alter Müll gefunden und von diesem Lager erstaunlich wenig Wöflingsmüll − grob geschätzt nur etwa 1/3 eines durchschnittlichen Jupilagers. (Hier stellt sich die Frage, ob die Wös besonders gut erzogen sind, das Verlieren von Kleinrestabfällen mit zunehmendem Alter zunimmt oder sie einfach zu groggy waren, um sich auch noch mit so etwas zu beschäftigen.) Den Abschluss bildete das Saurierlied, eine durchweg positiv ausgefallenen Reflexion und das Verteilen des Lageraufnähers, eines Dinos. Dann ging es − diesmal in einer großen Gruppe − wieder zum Hagenburger Kanal zurück. Auf dem Radweg am Westufer gab es dann noch einmal Natur pur, denn dank einer Vollbremsung konnten die Wölflinge eine seltene Ringelnatter beobachten, die sich über den Radweg und durch das Gras schlängelte. Das nächste und letzte Ziel war dann Altens Ruh mit seinem umfassenden Eisangebot, bevor die Wölflinge glücklich, müde aber wohlbehalten um 13:30 wieder den Pfadfinderkeller erreichten und Daniel sein dringendes Bedürfnis äußerte, sich jetzt aber erst einmal gründlich die Hände waschen zu müssen…