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Pfingsten 2002 − aktive und ehemalige Georgspfadfinder
feierten gemeinsam das 50. Jubiläum der Gründung
des Stammes St. Bonifatius Wunstorf

Der Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten − das Pfingstlager mit Ehemaligentreff sind vorbei. Wir haben uns über die vielen netten Worte, Spenden und Geschenke, die unser Stamm bei der Lagervorbereitung und im Rahmen der Feierlichkeiten erhalten hat, sehr gefreut und möchten an dieser Stelle allen Gratulanten herzlich danken. überwältigt waren wir auch von der durchweg positiven Resonanz unserer vielen Ehemaligen, die teilweise selbst weite Anreisewege nicht gescheut hatten, um sich einmal wieder vom Geist der Padfinderei beflügeln zu lassen. Der folgende Bericht über das Pfingstwochenende ist als kleine Erinnerung für alle gedacht, die mit uns gefeiert haben, sowie als kleine Rückmeldung an alle, die nicht mit uns feiern konnten:

Nach monatelanger organisatorischer Vorbereitung begann bereits am Donnerstag vor dem Pfingstwochenende der Materialtransport für das Jubiläumspfingstlager auf dem Jahnsportplatz. Dazu wurden unter anderem 6 m lange Baumstämme, die der Wind im Haster Wald umgeworfen hatte, für den Aufbau der Jurtenburg und für andere Lagerbauten herangeholt. Da sie frisch und voller Saft waren, ließen sie sich nur sehr schwer bewegen. Das Bauteam errichtete ein großes Küchen- und Materialzelt, in dem es auch übernachtete.

Am Freitag kam immer mehr Material am Jahnplatz an. Aus zahlreichen schwarzen Zeltplanen erstand nach und nach eine aus drei − jeweils etwa 6 m durchmessenden − runden Jurten zusammengeknüpfte Jurtenburg. Sie sollte als großes Versammlungszelt für das vom Wetterbericht angekündigte Regenwetter dienen. Nachdem der Kirchenbulli schon am Vortag aus Spritmangel liegengeblieben war, konnte auch eine weitere Panne des Bullis die Anlieferung weiteren Materials nur kurzzeitig verzögern. Im Laufe des Nachmittags trafen dann die Lagerteilnehmer aus Wunstorf sowie von befreundeten Stämmen aus Barsinghausen und Pattensen ein. Auch die Stämme aus Neuss und Aachen waren mit Teilnehmern vertreten. Ebenso campierten einige ehemalige Wunstorfer Pfadfinder mitsamt ihren Kindern auf dem Platz. Als weitere Tagesgäste wurden im Verlauf des Lagers auch Georgspfadfinder aus Neustadt und Hannover sowie Vertreter des Stammes Martin Luther King der Stiftskirchengemeinde begrüßt.

Um 19.00 Uhr begann die Eröffnungsrunde, in der sich die Teilnehmer gegenseitig vorstellten und einige Gruppen auch musikalische Darbietungen vorführten. Schließlich standen neben Küchenzelt und Jurtenburg rund um das Lagerfeuer zwei weitere Jurten, zwei schwarze Kohten, zwei große weiße Rundzelte und diverse Igluzelte. Bei den Wunstorfer Jungpfadfindern legten an diesem Abend zahlreiche Kinder ihr Pfadfinderversprechen ab. Viele Lagerteilnehmer vertieften sich derart in Gespräche im Schein von Petroleumfunzeln oder beim Sitzen rund um das Lagerfeuer, dass die kurze Nachtruhe für sie erst in den frühen Morgenstunden begann.

Am Samstagmorgen trafen sich alle Lagerteilnehmer mehr oder weniger ausgeschlafen zu einer gemeinsamen Morgenrunde, in der gesungen und gebetet wurde. Nach dem Frühstück begannen zahlreiche Workshops: In der Fußgängerzone konnten Eltern ihre Kinder am Stockbrotstand abgeben und nach getätigten Einkäufen gesättigt wieder abholen. Dort wurden auch auf Stofftüchern Kinderwünsche gesammelt. Bei den Jupis standen an diesem Tag batteriebetriebene Handventilatoren mit einklappbaren Propellern sehr hoch im Kurs. Diese waren nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes "cool", sondern ließen sich auch dazu nutzen, um hinterher die Stockbrotkrümel auf dem Pflaster zusammenzublasen.

Auf dem Jahnsportplatz entstanden zahlreiche Lagerbauten: so wurde ohne die Verwendung von Nägeln oder Schrauben eine Holzbrücke über die Aue gebaut, mit Brenneisen wurden Pfadfinderlilien in Baumscheiben gebrannt und ein Eingangstor für das Lager errichtet. Die Wölflinge bastelten beispielsweise aus Fliesen verzierte Untersetzer.

Am Nachmittag traf sich dann groß und Klein zu einem "Wilde Sau"-Spiel. Dabei ging es darum, einen Ball in die gegnerische Wäscheschüssel zu bringen bzw. die gegnerische Mannschaft auf jede erdenkliche Weise daran zu hindern, dies ebenfalls bei der eigenen Schüssel zu tun. Die Jungpfadfinder legten an diesem Nachmittag eine gemeinsame Mutprobe ab: Sie schlugen sich durch dichte Brennesseln bis zur Aue durch und bauten eine Seilbrücke, über die dann alle Jupis das andere Ufer erreichten. Auch wenn einige dabei naß und fast alle dreckig wurden, hatten sie nach dieser Aktion lediglich den Verlust eines Handtuchs und diverse Brennnesselstiche zu beklagen.

Nach einer Stärkung durch einen Gemüseeintopf stand ein spielerischer Wettkampf verschiedener Mannschaften auf dem Programm: Gemeinsam mussten sie beispielsweise aus leeren Kanistern Pyramiden bauen und ein Gruppenmitglied darauf stellen, mit zusammengebundenen Beinen um den Jahnsportplatz humpeln oder eine verknäulte Menschenkette entknoten.

Nachdem alle Gruppen über ihre Tagesaktionen berichtet hatten, bekamen dann einige Jungpfadfinder ihre blauen Halstücher verliehen und es wurde in der Jurtenburg gesungen.

Besonders am Samstag statteten auch viele ehemalige Pfadfinder dem Lager ihren Besuch ab. Darunter war beispielsweise fast die komplette, 1993 auseinander gegangene ehemalige Roverrunde. Dabei zeigte sich, dass es jemanden, der als Kind und Jugendlicher gern gekokelt hat, auch mit Ende 20 wieder wie selbstverständlich dorthin zieht, wo es raucht und stinkt: ans Lagerfeuer. Auch zahlreiche Pfadfinder der ersten Stunde von vor 5 Jahrzehnten besuchten das Lager und zogen Vergleiche zu ihrer Zeit. Demnach ist nicht nur alles komfortabler geworden, sondern auch die Pfadfinder selbst haben sich erfreulich zu einem modernen Jugendverband gewandelt: Mädchen waren früher von der Teilnahme ausgeschlossen, und dass verliebte Jungen und Mädchen Arm in Arm am Feuer sitzen und sich gar küssen, wäre vor Jahrzehnten undenkbar gewesen.

Für die Leiter gab es in der Nacht noch einige organisatorische Hürden zu überwinden: um 22.30 wurde bemerkt, dass man für den kommenden Mittag zwar mit 150 Gästen zur Agape rechnete, aber niemand Brot für sie besorgt hatte. Nachdem die Idee, die Nacht durch Fladenbrote über dem Feuer zu backen verworfen worden war, konnte schließlich um 1.15 Uhr bei Bäcker Hanisch eine Bestellung über 200 Brötchen aufgegeben werden. Währenddessen kopierte sich eine andere Gruppe im Neustädter Pfarrhaus die Finger mit dem Neudruck der Liederzettel für den Festgottesdienst heiß.

Am Morgen des Pfingstsonntags waren alle Probleme gelöst und die Lagerteilnehmer versammelten sich zu einem gemeinsamen Marsch durch die Stadt zur Bonifatiuskirche. Dort zelebrierte Bezirkskurat Pfarrer Christoph Lindner aus Neustadt den feierlichen Pfingstgottesdienst. Im Anschluss wurde im Gemeindehaus (wegen der zahlreichen Kinder) mit Apfelschorle auf die Zukunft des Stammes angestoßen und Gemeindepfarrer Alfons Berger, der stellvertretende Bürgermeister Georg Beier, Diözesanvorstand Klaus Meiser, Bezirkskurat Christoph Lindner, Stadtjugendringvorsitzender Holger Battermann und Markus Kuhn vom Stamm Hl. Engel aus Hannover überbrachten ihre besten Wünsche und zahlreiche Geschenke. Ein besonderes Geschenk überbrachte der ehemalige Pfadfinder Günther Wyrwoll: eine aus Aluminium gesägte Pfadfinderlilie, die er seit der vorübergehenden Auflösung des Stammes im Jahr 1967 aufbewahrt hatte.

Danach trafen sich alle Anwesenden, die im Verlauf der Stammesgeschichte in der Stammesleitung tätig waren, zu einem Gruppenfoto. Darunter waren auch der erste Stammesfeldmeister, Klaus Joseph, der langjährige Kurat des Stammes, Pfarrer Werner Langer, sowie Werner Kohrs und Dietrich Reuter, die gemeinsam zwei Jahrzehnte lang die Stammesgeschicke geleitet haben. Anschließend trafen sich Pfadfinder und Gäste zu einer Agape, einem gemeinsamen Picknick im Gemeindehaus und dem Garten. Eine Ausstellung ließ mit Fotos und Videos die alten Zeiten wieder aufleben.

Während die Kinder und Jugendlichen in einem Stadtspiel kreuz und quer durch die Stadt beweisen mussten, dass gut beobachten und verschiedene Aufgaben lösen können, geschickt sind und den Mut haben, auf den Stadtkirchenturm zu klettern, saßen die ehemaligen Stammesmitglieder noch lange bei Kaffe und Kuchen im Gemeindehaus. Bewegende Szenen spielten sich ab, als sich beispielsweise zwei Ehemalige nach 45 Jahren das erste Mal wieder trafen. Das Stadtspiel endete auf dem Jahnplatz, wo es noch mit einer tückischen Schokokusswurfmaschine zu kämpfen galt: Einige Pfadfinder machten die klebrige Erfahrung, dass man heranfliegende Schokoküsse niemals zwischen beiden Händen fangen sollte, und Matthias spürte es deutlich in seinem Nacken, dass auch unbeteiligte Passanten Opfer von fehlgeleiteten herumfliegenden Schokoküssen werden können…

Das Abendessen bestand aus einer sogenannten "Fressstrasse", zu der alle beteiligten Stämme ihre kulinarischen Spezialitäten beitrugen und deren Abschluss ein leckerer Eisbecher bildete. Der Tsatsiki erfreute sich so großer Beliebtheit, dass er von einigen wenigen Liebhabern als erstes verschlungen war. Aufgrund seines extremen Knoblauchgehaltes wurde diese kleine Gruppe für den Rest des Abends von den übrigen Lagerteilnehmern strikt gemieden…

Abends fand dann eine Party statt − aus Rücksicht auf die Anwohner des Jahnplatzes nicht in der Jurtenburg, sondern im Keller des Gemeindehauses Nr. 15. Sie war zwar nicht so gut besucht wie erhofft, aber insbesondere die Wölflinge hatten einen Riesenspaß daran.

Nach einer weiteren kurzen Nacht begann der Tag mit einer weiteren Morgenrunde. Der Gesang klappte mangels verfügbarer Texte nur sehr schleppend, was umso peinlicher war, als Gemeindereferent Winfried Gburek das ganze für einen am darauffolgenden Donnerstag gesendeten Rundfunkbeitrag aufzeichnete.

Nach dem Frühstück wurden Luftballons mit Helium gefüllt und von den Lagerteilnehmern 66 Jubiläumsgrüße in den Himmel geschickt. (Der erste dieser Ballons ging noch am selben Tag in einem Rapsfeld zwischen Klein- und Großenheidorn nieder; viele kamen bis nach Nienburg.) Bevor das große Einpacken und Zeltabbauen begann, versammelten sich alle Lagerteilnehmer zu einer gemeinsamen Reflexion, in der jeder das Lager beurteilen konnte. Bis auf Aussagen wie "schade, dass der Eintopf nicht vegetarisch war", "es waren immer so viele Ameisen in meinen Schlafsack" oder "die Großen haben uns immer geärgert" war die Resonanz nahezu ausschließlich positiv. Mit dazu beigetragen hat sicher auch das Wetter. Trotz deprimierender Wettervorhersage und anderswo niedergegangener Unwetter blieb das Lager nämlich von schweren Gewittern oder langanhaltendem Regen verschont. Nach der Reflexion endete das Lager offiziell mit dem gemeinsamen Lied: "Nehmt Abschied Brüder".

Die für ein Pfadfinderlager obligatorischen Streiche zwischen den verschiedenen Stämmen und Stufen sind selbstverständlich auch auf diesem Lager nicht zu kurz gekommen: so entführten die Pattensener Pfadfinder in der Nacht von Sonntag auf Montag die Stadtfahne, die der Stamm als Jubiläumsgeschenk von der Stadt Wunstorf erhalten hatte. Einige Wölflinge hatten Probleme, aus ihrem Igluzelt heraus zu kommen, nachdem ein Berg von Kanistern vor dem Zelt aufgestapelt worden war und obendrein die äußere Zeltplane um 180 Grad gedreht worden war, so dass sich der Zelteingang nun auf der Rückseite des Zeltes befand. Als weitere Streiche baumelten einige Rucksäcke an einem Mast und das Fahrrad eines Pfadfinders an der Holzbrücke knapp über der Wasseroberfläche der Aue.

Die Teilnehmerzahl schwankte um etwa 50 Personen. Absolute Zahlen sind nicht nennbar, weil neben den zahlreichen festen Teilnehmern beispielsweise die Wunstorfer Wölflinge nur eine Nacht (ihre erste Nacht) im Zelt verbrachten und auch einige ehemalige Pfadfinder für eine oder zwei Nächte mit dabei waren.

Nach der Abschlussrunde war noch lange nicht Schluß: Gemeinsam mit der tatkräftigen Unterstützung einiger Eltern wurden Zelte und alles sonstige Material abgebaut und abtransportiert. Außerdem wurde getreu dem Vermächtnis Lord Baden Powells "Verlasst die Welt ein bisschen besser als ihr sie vorgefunden habt!" der gesamte Jahnsportplatz mit einer großen Menschkette gründlich nach verlorenem Bonbonpapier etc. abgesucht. Während später dann die Teilnehmer schon längst in der heimischen Badewanne einweichten und anschließend ins Bett fielen (oder wie ein Lagerteilnehmer mit seinem einnickenden Kopf auf die Kaffeetafel seiner Großeltern), wurde am Pfadfinderkeller noch lange Material von Eltern und Leitern Material eingelagert.

Von der anlässlich des Jubiläums herausgegebenen 100seitigen Chronik des Stammes und den eigens angefertigten Aufnähern sind noch einige wenige Exemplare bei Dirk Neuber (Tel.: 05031/75146) für 8,- bzw. 2,5 Euro erhältlich.